{"id":1945,"date":"2025-07-14T09:59:11","date_gmt":"2025-07-14T09:59:11","guid":{"rendered":"https:\/\/unionitaet.de\/?p=1945"},"modified":"2025-09-01T18:03:11","modified_gmt":"2025-09-01T18:03:11","slug":"fuer-die-die-sich-verlaufen-haben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/unionitaet.de\/it\/neuigkeiten\/fuer-die-die-sich-verlaufen-haben\/","title":{"rendered":"Per quelli che si sono persi"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Stra\u00dfen und Pl\u00e4tze auf dem Uniongel\u00e4nde sind Wegweiser:&nbsp; Zeitreisen, die an die Sch\u00f6nheit&nbsp; des Lebens erinnern, die kreative&nbsp; Kraft der Hoffnung und den Mut&nbsp; zum Widerstand.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Platz des Europ\u00e4ischen Versprechens<br><\/strong>Es ist eine Verbeugung vor dem gleichnamigen Platz in Bochum vor der Christuskirche nach Entw\u00fcrfen des K\u00fcnstlers Jochen Gerz. In den Boden des Platzes wurden Platten mit den Namen von B\u00fcrgern eingelassen, die sich f\u00fcr ein vereintes, friedliches Europa einsetzen, in dem die Menschenrechte und die W\u00fcrde des Einzelnen respektiert werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Anielewicz-Platz<br><\/strong>Dieser Platz erinnert an die tapferen K\u00e4mpfer des Aufstands im Warschauer Ghetto und einen ihrer Anf\u00fchrer, den Kommandanten Mordechaj Anielewicz. Am 19. April 1943 schlugen sie los und leisteten mit unbeugsamem Mut Widerstand bis zuletzt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Berggasse 19<br><\/strong>Die Adresse von Prof. Dr. Sigmund Freuds Privatpraxis im 9. Wiener Bezirk war wie ein Code f\u00fcr Eingeweihte. \u00dcberzeugt davon, dass psychische Erkrankungen in der pers\u00f6nlichen Geschichte ihren Ursprung haben, entwickelte Freud die Psychoanalyse. Denn nur wer sich selbst versteht, wird auch einen Platz in dieser aus den Fugen geratenen Welt finden. Gerade noch rechtzeitig konnte er 1938, nach dem Einmarsch der Deutschen, mit seiner Frau und seiner Tochter Anna nach England fliehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Neuturmstra\u00dfe 5<br><\/strong>Am 1. Januar 1933 \u2013 29 Tage vor Hitlers Ernennung zum Reichskanzler feierte hier, in dem M\u00fcnchner Revuetheater \u201eBonbonniere\u201c, \u201eDie Pfefferm\u00fchle\u201c Premiere. Gegr\u00fcndet hatten das \u201eliterarische\u201c dezidiert antifaschistische \u201eCabarett\u201c Erika Mann, ihr Bruder Klaus, der Komponist Magnus Henning und die Schauspielerin Therese Giehse. Doch schon bald, nach der Premiere, emigrierten sie nach Z\u00fcrich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Stra\u00dfe der Nationen<br><\/strong>So lautet die Adresse des Konzentrationslagers Ravensbr\u00fcck in F\u00fcrstenberg an der Havel. Eine der Inhaftierten war Milena Jesensk\u00e1. Kafkas Briefe an sie sind weltber\u00fchmt. Aber nur wenige wissen, dass die Journalistin und \u00dcbersetzerin auch eine mutige Widerstandsk\u00e4mpferin war. Die die Flucht von Juden und nichtj\u00fcdischen Emigranten organisierte und Kommunisten vor der Gestapo versteckte. Sie soll ihren Mitgefangenen immer Mut zugesprochen haben, wird berichtet. Aber die Befreiung hat sie nicht mehr erlebt. Am 17. Mai 1944 starb Milena Jesensk\u00e1 an den Folgen einer Nierenoperation.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Rosenthaler Stra\u00dfe 39<br><\/strong>Die Blindenwerkstatt in Berlin Mitte, wo Besen und B\u00fcrsten hergestellt wurden, existiert nach wie vor. Im dritten Reich versteckte hier der Kleinunternehmer Otto Weidt, selbst erblindet, seine j\u00fcdischen Mitarbeiter. Heute ist sie ein Museum.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Roscherstra\u00dfe 16<br><\/strong>In dieser Berliner Stra\u00dfe wohnte der ber\u00fchmte Kinderbuchautor Erich K\u00e4stner von 1929 bis 1944. Ausgew\u00e4hlt wurde die Adresse, weil sich hier der junge Schauspieler Hans Albrecht L\u00f6hr, der im Film \u201eEmil und die Detektive\u201c den \u201ekleinen Dienstag\u201c spielt, mit seinem gro\u00dfen Vorbild K\u00e4stner anfreundete.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Meinekestra\u00dfe 3<br><\/strong>\u201eAuschwitz kann sich jederzeit wiederholen\u201c, so die bittere Erkenntnis des ungarischen Schriftstellers Imre Kert\u00e9sz. Sie steht auf der Gedenktafel an dem Haus in der Meinekestra\u00dfe 3 in Berlin, wo er von 2001 bis 2012 gewohnt hat. In dem \u201eRoman eines Schicksallosen\u201c, an dem er 13 Jahre gearbeitet hat, hat er seine Erfahrungen in den Konzentrationslagern Auschwitz und Buchenwald beschrieben. 2002 erhielt er den Literaturnobelpreis.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wilhelm-Wild-Stra\u00dfe 8<br><\/strong>Hier wohnte der Philosoph Ernst Bloch, als er in den 1950er Jahren in Leipzig lehrte. Und hier hat er \u201eDas Prinzip Hoffnung\u201c redigiert. Das dreib\u00e4ndige Werk einer \u201ekonkreten Utopie\u201c ist mittlerweile ein philosophischer Klassiker. Konkret ist die Utopie deshalb, weil sie m\u00f6glich ist. Die Tr\u00e4ume von einem besseren Leben k\u00f6nnen Wirklichkeit werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Nelly-Sachs-Stra\u00dfe 5<br><\/strong>Im Nelly-Sachs-Haus in D\u00fcsseldorf, benannt wie die Stra\u00dfe nach der vor den Nazis nach Schweden geflohene Literaturnobelpreistr\u00e4gerin, k\u00f6nnen j\u00fcdische Gemeindemitglieder ihren Lebensabend verbringen. Eine ihrer prominentesten Bewohnerinnen war Rose Ausl\u00e4nder. Lyrikerin wie die Namensgeberin, die sie sehr verehrte, widmete sie sich ganz dem Schreiben und empfing nur wenig Besuch. Rose Ausl\u00e4nder und Nelly Sachs kannten sich nicht pers\u00f6nlich, aber beide verband ihre Freundschaft mit Paul Celan und ihre intensive Auseinandersetzung mit den Traumata des Holocaust.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Gr\u00fcneburgweg 95<br><\/strong>1894 wohnten hier in Frankfurt am Main der Komponist Engelbert Humperdinck, bekannt f\u00fcr seine Oper \u201eH\u00e4nsel und Gretel\u201c, und Heinrich Hoffmann, der Arzt und Autor des \u201eStruwwelpeter\u201c. Von 1851 bis 1888 war Hoffmann Direktor der \u201eAnstalt f\u00fcr Irre und Epileptische\u201c. Er gilt als Reformer der Jugendpsychiatrie und hat den modernen Neubau der Klinik im Westen der Stadt auf dem Affensteiner Feld veranlasst. Hoffmann, der mit seiner Familie und \u201eseinen Kranken\u201c unter einem Dach lebte, fand, dass der Eintritt des Arztes in eine Abteilung etwas vom Sonnenaufgang an sich haben m\u00fcsse.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Stra\u00dfen und Pl\u00e4tze auf dem Uniongel\u00e4nde sind Wegweiser:&nbsp; Zeitreisen, die an die Sch\u00f6nheit&nbsp; des Lebens erinnern, die kreative&nbsp; Kraft der Hoffnung und den Mut&nbsp; zum Widerstand. Platz des Europ\u00e4ischen VersprechensEs ist eine Verbeugung vor dem gleichnamigen Platz in Bochum vor der Christuskirche nach Entw\u00fcrfen des K\u00fcnstlers Jochen Gerz. 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