An dieser Stelle des Geländes begegnen sich zwei Zeugnisse des Widerstands gegen die Vernichtung des Menschlichen. Die Aluminiumtafel von Eberhard F. Gutberlet bewahrt ein Fragment von Paul Celan: „Ein Stern hat noch Licht. Nichts, nichts ist verloren.“ Es ist ein Satz, der trotz der tiefsten Dunkelheit Hoffnung atmet. Die Tafel steht in direktem Dialog mit Friedhelm Welges Skulptur, die an Dietrich Bonhoeffer erinnert.
Bonhoeffer, der 1945 im KZ Flossenbürg ermordet wurde, wird hier als moderner Christopherus greifbar. Wie der Schutzpatron der Reisenden half er seinen Mithäftlingen in der Haft der Gestapo, „auf die andere Seite“ zu gelangen – nicht nur physisch, sondern indem er ihre Würde und Menschlichkeit bewahrte. Er war der feste Halt in größter Not, ein Christopherus aus Fleisch und Blut, der die Henker machtlos machte, weil sein Geist unbezwingbar blieb.
Diese Tafel ist zugleich Teil eines größeren literarischen Pfades, der Celan untrennbar mit Rose Ausländer verbindet. Beide stammten aus der deutsch-jüdischen Kulturtradition in Czernowitz und begegneten sich während der Shoah im dortigen Ghetto. Diese gemeinsame Erfahrung von Verfolgung und Verlust prägte ihr gesamtes Schaffen und führte sie später in Paris erneut zusammen, wo Celan Ausländer ermutigte, ihre Lyrik radikal zu erneuern. Dass beide Texte nun hier auf dem Gelände, jeweils korrespondierend mit einer Skulptur von Welge, ihren Platz gefunden haben, webt ein unsichtbares Netz aus Geschichte und gemeinsamer Herkunft. Es ist ein Dialog über das Überleben und die Kraft der Sprache, die uns daran erinnert, dass wir niemals ganz im Dunkeln stehen, solange ein Stern noch Licht hat.