Die Glocke auf dem Frankfurter Union-Gelände war dem Vergessen überlassen. Einst gegossen, lagerte sie still in einem Lager der 1590 gegründeten Glocken und Kunstgießerei RINCKER – zu alt für neue Türme, zu schwer für eine schnelle Welt, bereit für das Einschmelzen. Doch inmitten dieser scheinbaren Bedeutungslosigkeit wurde sie gesehen. Ardi Goldman entdeckte sie nicht als Dekoration, sondern als Zeugnis. Er rettete sie – nicht um sie zu besitzen, sondern um ihr wieder Selele und Stimme zu geben.
Heute hängt sie frei, sichtbar, mit Würde – mitten in einem Stadtraum in der Stadt, der sich unserer Geschichte, dem Widerstand, der Kunst und der Liebe stellt: Das Frankfurter Uniongelände, die Union – dem MIKROKUNSTLAND im Herzen Frankfurts. Sie hängt nun friedlich an der Ecke Rosenthaler Straße und Meinekestraße direkt an den 6 Goldman Kastanien am Platz des Europäischen Versprechens. Nicht auf einem Kirchturm, nicht als Funktionsobjekt, sondern als Skulptur, als Mahnung, als Einladung. Auf ihrem bronzenen Leib steht: „JESUS IST UNSER FRIEDEN“. Eine Inschrift, die aus der Zeit gefallen scheint – und gerade deshalb so gegenwärtig ist. In ihr spricht kein Dogma, sondern die stille Hoffnung auf eine Menschlichkeit, die über den Lärm der Gegenwart hinausreicht. Diese Glocke klingt nicht regelmäßig, aber sie spricht in ihrem Dasein. Sie klingt, indem sie da ist und Ihr Glockengeläut erhält sie von der Westkerk in Amsterdam.
Neben ihr auf einer Bronzetafel Tafel stehend, finden sich die Worte Dietrich Bonhoeffers:
Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist mit uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.
– ein Gedicht, das er 1944 im Gefängnis schrieb, wenige Monate vor seiner Ermordung durch die Nationalsozialisten. Diese Worte sind ein geistiges Vermächtnis. Ein leises, trotziges Vertrauen auf etwas, das nicht zerstörbar ist. Bonhoeffers Text und die Glocke gehören hier zusammen. Beide sprechen vom Überstehen. Vom Getröstet sein, wo es keinen Trost gibt. Vom Licht, das in der Dunkelheit bleibt.
Und wer das Video unten anklickt, der hört den Klang der Westerkerk in Amsterdam. Es sind dieselben Glocken, die Anne Frank in ihrem Versteck hörte – Glocken, die durch Mauern drangen, als alles andere draußen Bedrohung war. In ihrem Tagebuch schrieb sie, dass der Klang der Westerkerk-Glocken ihr Trost spendete. Auch dieser Klang gehört zu diesem Ort. Er weitet den Raum über Frankfurt in die Welt hinaus. Ein Klangdreieck entsteht – Frankfurt, Berlin, Amsterdam. Bonhoeffer, Anne Frank, die gerettete Glocke. Eine Erzählung, die nicht abgeschlossen ist. Keine Gedenkskulptur, sondern eine lebendige Spannung zwischen Vergangenheit und Jetzt.
Die Union Glocke ist mehr als ein Objekt. Sie ist eine Frage. Sie fragt, was Frieden bedeutet in einer zerrissenen Welt. Sie fragt, ob Erinnerung mehr sein kann als ein stilles Museum. Und sie fragt, ob Kunst wieder das darf, was lange nicht mehr gewagt wurde: zu trösten, ohne zu beschönigen. Zu erinnern, ohne zu moralisieren. Zu rufen – ohne zu schreien. Wer an dieser Glocke vorbeigeht, hört vielleicht keinen Ton. Aber wer innehält, wer Bonhoeffers Worte liest, wer den Klang aus Amsterdam hört, der begreift: Diese Glocke wurde nicht aufgehängt. Sie wurde aufgehoben. Als Klangkörper einer Erinnerung, die nicht vergeht. Als Symbol eines Friedens, der nicht naiv ist. Und als Einladung an alle, die noch hören können, wenn Kunst beginnt, leise zu sprechen.
Sie symbolisiert zudem die Vergöttlichung der Liebe welche im Jahre 794 nach Christus mit der Festlegung der Trinität mit Jesus als Gottes Sohn und endgültige Absage der Katholischen Kirche spanischen Adoptianismus, welcher sich seit der Eroberung Spaniens durch die Araber Anfang des 8 Jahrhunderts entwickelt hatte. Seitdem heisst es Im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes – Amen. Seitdem ist Gott nicht nur gerecht und strafend sondern auch liebend.
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